Chronik 1937-1962

Chronik der Prinzengarde
vom Gründungsjahr 1937 bis zum 25jährigen Jubiläumsjahr 1962


Liebe Karnevalsfreunde,
Grundlage dieses ersten historischen Teils ist ein Artikel unseres damaligen Geschäftsführers Paul Baumeister. Wir sind der Ansicht, das dieser Bericht kaum besser geschrieben werden kann, da er in wunderbarer Weise den Zeitgeist dieser vergangenen Jahre wiederspiegelt. Deshalb haben wir ihn in fast gleicher Form wiedergegeben.



Hausorden (Gründungsorden 1938)


Unser rheinisches Brauchtum, der Karneval, hat seinen Bestand über alle Not und Zeiten des Krieges, der Irrungen und Unzulänglichkeiten der Völker erhalten. Es ist ein Zeichen der Echtheit und der tiefen Verwurzelung im Volke, daß diese Feste - mehr als 400 Jahre sind diese Gepflogenheiten in Duisburg urkundlich nachgewiesen - bis auf uns überkommen sind.
Der Karneval ist altes, rheinisches Brauchtum, und mag auch der Rosenmontagszug am Niederrhein nicht gerade „bodenständig seit altersher” sein, der Karneval aber ist es seit Jahrhunderten.
Der Karneval ist ein das Gemeinschaftsleben förderndes altes Brauchtum, denn wann und wo wären wohl die Menschen leichter zu regieren als unter dem Zepter des Prinzen Karneval? Und wo sind alle Menschen mehr gleich, groß und klein, arm und reich, als da, wo alle die gleiche Narrenkappe tragen und wo sie am gleichen Tisch sich nach den karnevalistischen Liedern schunkelnd bewegen? - Gerade in unserer Vaterstadt Duisburg, der Stadt der Arbeit, der Stadt des größten Binnenflusshafens der Welt, gibt es sehr viele unter den mehr als fünfhunderttausend Einwohnern, deren Wiege nicht hier stand; sie alle aber nehmen den Karneval als einen Teil dieser Stadt in sich auf und feiern dieses Fest gemeinsam mit uns, mit der gleichen Freude und Bereitschaft, dem närrischen Prinzen ihren Tribut zu zollen.

Zu Anfang des Jahres 1937 hatten sich einige recht rührige, karnevalsbegeisterte Duisburger zusammengefunden, um dem Duisburger Karneval das zu geben, was ihm noch fehlte: eine eigene, aus der Bürgerschaft hervorgegangene repräsentative Prinzengarde. Sie meinten, daß ein Prinz ohne Soldaten nun einmal eine halbe Sache sei.
Fred Bernards, ein alter Karnevalist, rief einige Herren zusammen, um noch im Rosenmontagszug 1937 mit einer Truppe zu Pferde den Prinzenwagen zu begleiten. Ein freudiges Lächeln war der Dank des Prinzen Paul II., als er vom Balkon des Rathauses aus seine berittenen Freunde sah. Die von ihnen getragenen Uniformen stammten aus dem Fundus des Duisburger Stadt-Theaters. Wer ahnte damals schon, daß sich aus dieser kleinen karnevalistischen Truppe von sechs Reitern, die sich die Prinzengarde nannte und ihrem Prinzen das Geleit gab, eine Karnevalsgesellschaft entwickelte, die schon bald mit führend im Duisburger Karneval sein sollte.

Im Hotel „Prinzregent” versammelten sich die Herren Fred Bernards, Arno Eckardt, Hans-Rudolf Reichel, Clemens Alt, Willi Schulten, Georg Rheindorf und Paul Bergs (Paul II.) und gründeten die „Prinzengarde der Stadt Duisburg”.


Die Gründer der Prinzengarde

Die vornehmlichste Aufgabe der Prinzengarde, die eine Schutz- und Leibgarde „Seiner Tollität” des Prinzen sein soll, ist, den Prinzen überall dort zu begleiten, wo er repräsentative Pflichten zu erfüllen hat. Im Rosenmontagszuge selbst soll die Prinzen-Garde teils zu Pferde, teils zu Fuß, den Wagen Seiner Tollität eskortieren.

Unter dem Protektorat von Paul Bergs wurde dann der erste Generalstab gebildet, der folgendes Aussehen hatte:

            Kommandant: Clemens Alt
            Adjutant: Willi Schulten
            Zahlmeister: Hans-Rudolf Reichel
            Leutnant der Infanterie: Fred Bernards
            Leutnant der Kavallerie: Georg Rheindorf
            Leutnant der Artillerie: Arno Eckhardt

Willi Schulten entwarf die prächtige Uniform im Stile der Zeit des 18. Jahrhunderts.



Der erste Kommandeur Clemens Alt
als 19jähriger Ulan im Rosenmontagszug 1937


Nach den vorbereitenden Arbeiten dieses Gründungskomitees rief dieses dann durch Rundschreiben karnevalsfreudige Bürger zu einem ersten Appell im Hotel „Prinzregent” auf, um die Prinzengarde in ihrer schweren Aufbauarbeit mit Rat und Tat zu unterstützen. Dem Aufruf waren viele Bürger gefolgt, wertvolle Kräfte strömten der Prinzengarde zu, die ihr einen kraftvollen Auftrieb gaben. Gleich im Anlauf verzeichnete man bereits 100 Mitglieder. In dieser Versammlung wurde dann das endgültige Offizierkorps aufgestellt, bestehend aus Herren, die teilweise heute noch als Jubilare aktiv dem Offizierkorps angehören.

Präsident: Paul Bergs
Kommandant: Clemens Alt
Adjutant des Präsidenten: Willi Schulten
Adjutant des Kommandanten: Fred Bernards
Rittmeister: Georg Rheindorf
Leutnant der Infanterie: Willi Sander
Leutnant der Artillerie: Arno Eckardt
Leutnant der Kavallerie: Walter Averesch
Leutnant der Verwaltung: Hans-Rudolf Reichel
Zahlmeister: Erich Moller
Proviantoffizier: Karl Emmerich
Leutnant des Kraftfahrkorps: Hermann Muscheid
Regimentstochter: Friedel Lammers

In den Beirat wurden die Herren Walter Gehrmann als Generalquartiermeister, Hans Vonscheidt, Hans Ollmann und Theodor Lammers gewählt. Der erste offizielle öffentliche Aufmarsch der Prinzengarde in den neuen Uniformen erfolgte am 16. Januar 1938 in der Städtischen Tonhalle, wo die „Große” als Höhepunkt des Vorkarnevals eine Prunksitzung veranstaltete.

Dann aber wurde die erste eigene Veranstaltung am 9. Februar 1938 im Hotel „Prinzregent” gestartet. Die Prinzengarde hätte sich nicht besser einführen können, als mit diesem Kostümfest. Stramme Soldaten der närrischen Garde bewachten den Eingang, in der Halle wurden die Festteilnehmer von den Offizieren der Prinzengarde in ihren kleidsamen hellen Uniformen empfangen. Vom tollen Jubel des Narrenvolkes umbrandet, marschierte die Prinzengarde auf, deren hoher Protektor, Prinz Paul II., den teils honorigen Gästen in launiger Ansprache den Kommandeur Clemens Alt und seine schmucken Offiziere vorstellte. Selbst der Elferrat der „Großen”, angeführt von Präsident Fritz Brammen, war vollzählig erschienen, um bei diesem Karnevalshöhepunkt dabei zu sein. Dr. Heinz Spettmann übernahm dann in seiner bekannt launigen Art die Ansage des Abends. Die schmissig musizierende Polizeikapelle trug gleich den Prinzen-Gardisten die schmucken Uniformen.

Im Laufe des Jahres trugen dann der „Kantinenabend zu Ehren des Funkenmariechens”, der im „Goldenen Kessel” in der Beekstraße stattfand, und der „Sommernachtsball” im Hotel „Prinzregent” mit dazu bei, die Verbundenheit der Garde des Prinzen mit der Bevölkerung enger zu gestalten und dem Duisburger Karneval neue Freunde zuzuführen.

In einer Versammlung am 17. August 1938 wurden die Satzungen des Vereins genehmigt und die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht beschlossen.

Das die Prinzengarde mit starker Hand das Narrenschiff auf flotte Fahrt gebracht hatte, erfuhr man in der ersten Jahresversammlung am 26. Oktober 1938. Schon in kürzester Zeit schaffte sie sich ein bedeutendes gesellschaftliches Ansehen und große karnevalistische Geltung. Durch das Hinzutreten bedeutender Duisburger Bürger und begeisterter Karnevalisten konnte die Mitgliederzahl von 200 innerhalb Jahresfrist bereits überschritten werden. An diesem Abend wurde beschlossen, neben den weißen Uniformen Litewken in rotem Tuch mit weißen Aufschlägen anzuschaffen, die bei Veranstaltungen mehr geselliger Art zur schwarzen Hose getragen werden sollen.


Der erste Ausgang in roter Litewka

Bei dieser Gelegenheit gab der Präsident auch die ersten Beförderungen bekannt: Hans-Rudolf Reichel und Willi Schulten erhielten den Stern als Oberleutnant, der Proviantoffizier Karl Emmerich wurde zum Fahnenoffizier und gleichzeitig zum Oberleutnant ernannt.
Der Duisburger Liederdichter Matthias Lixenfeld hatte für die Prinzengarde einen Marsch komponiert, den er an diesem Abend zu Gehör brachte. Er fand allgemein Beifall und wurde endgültig als „Prinzen-Garde-Marsch” angenommen. Noch heute ist man immer wieder begeistert, wenn dieser Marsch aufklingt.

Als erste Duisburger Karnevalsgesellschaft war die Prinzengarde im Jahre 1938 der Dachorganisation, dem Bund Deutscher Karneval, beigetreten.

Die „Essener Volkszeitung” berichtete am 28. Oktober 1938 u. a.:

„Man gewann die beruhigende Überzeugung, daß der Duisburger Karneval sich kräftig regt, und daß wir aller Voraussicht auch in diesem Jahre wieder ein gutes Stück vorwärtskommen werden. Nicht zuletzt wird das an der Prinzen-Garde liegen, die schon rein äußerlich mit ihren eleganten Uniformen die kommenden großen Feste verschönern wird. Aber das allein ist nicht entscheidest; viel wichtiger ist der Geist, der auch in der Prinzengarde herrscht und der, wenn man einmal den Versuch machen will, den Karneval ernstzunehmen, zu den schönsten Hoffnungen berechtigt.”


Das Offizierkorps 1938

Die neue Session 1938/39 begann mit einem glänzenden Start: Eröffnungsball am 12. November 1938 im Hotel „Prinzregent”. Hermann Kremer als „Hermännche” überall bekannt, der hier als Präsident der jüngsten Duisburger Karnevalsgesellschaft, der KG „Rheinländer Grün-Weiß”, anwesend war, wurden besonders einige Worte gespendet, die ihm und seiner Gesellschaft Ansporn zur tatkräftigen Mitarbeit im Karneval sein sollten. Nachdem Präsident Paul Bergs die Kampagne mit den Worten „Wo Kameradschaft, Frohsinn und Freude waltet, da ist der Griesgram ausgeschaltet” eingeleitet hatte, folgte noch eine Reihe verschiedener Veranstaltungen, die der Prinzengarde in allen Zeitungen nur Worte des Lobes wegen des Erfolges der jungen Garde und des Gebotenen, das nach einstimmigem Urteil alles bisherige an Fülle und Güte übertroffen habe, einbrachten.

Die Beteiligung der Prinzengarde am Rosenmontagszug, entsprechend ihrer Größe und ihrem Ansehen, war ihre vornehmste Aufgabe. Im Rosenmontagszuge 1939, unter dem Motto „In Duisburg lachen über tolle Sachen”, trug die Prinzengarde nicht wenig dazu bei, den Zug durch ihre Uniformen wesentlich zu bereichern und zu verschönern. Mit nachstehenden Gruppen stellte die Prinzengarde alleine 250 m Rosenmontagszug: Spielmannszug und Musikkorps, Postkutsche, Flak-Geschütz, Proviantwagen, zwei Kompanien Prinzen-Garde zu Fuß in rot dominierenden Uniformen, der offizielle Gesellschaftswagen, die tanzende Regimentstochter, eine Kompanie Prinzen-Garde in weißen Galauniformen, Präsidentenwagen, Reiterkorps der Prinzen-Garde.

Die „Rhein- und Ruhrzeitung” schrieb am 21.2.1939 u.a.:
„... dann aber kam das Prunkstück des Zuges: die Duisburger Prinzen-Garde! Man muß sich immer wieder wundern, was aus dieser aus allerkleinsten Anfängen herausgekommenen Garde des damaligen Prinzen Paul II. geworden ist.”

Prinzengarde - auch mal ganz anders. Oftmals hat das Beispiel der Duisburger Prinzengarde deutlich bewiesen, daß die Karnevalsgesellschaften wirklich zu einem Stück rheinischer Volks- und Kulturgeschichte geworden sind. Ihr Wert liegt ja nicht allein in der Überlieferung und Pflege karnevalistischen Brauchtums, sondern sie bilden im Rahmen des bürgerlichen Zusammenlebens einen Faktor, dessen Hauptgewinn in der Pflege bürgerlichen Brauchtums und bürgerlicher Geselligkeit zu erblicken ist. In dieser Hinsicht haben die Karnevalsgesellschaften ebenfalls eine sehr große Aufgabe zu erfüllen.

Bürgerliche Sitte und bürgerliches Denken läßt auch die Not der Ärmsten nicht vergessen, und hier hat die Prinzengarde nie an letzter Stelle gestanden. Sie hat damit gezeigt, daß sie nicht nur versteht, Feste zu feiern, daß sie auch bereit ist zu helfen, soziale Gegensätze auszugleichen. Wenn der Präsident seine Garde und Mitglieder zu diesem Beweis sozialen Verständnisses aufgerufen hat, dann sind sie diesem Ruf vollzählig und freudig gefolgt. In diesem Zusammenhang ist die Sonderveranstaltung am 12. Februar 1939 besonders zu erwähnen. An diesem Eintopfsonntag ist die Prinzen-Garde mit dampfenden Gulaschkanonen im Tonhallengarten aufgefahren, hat auf der Tonhallenterrasse die Tische gedeckt und ein Eintopfessen durchgeführt, bei dem jeder Bürger für drei Groschen einen „Schlag” aus der Gulaschkanone erhielt. An langer Tafel saßen sie und futterten den „Prinzen-Garde-Eintopf”, Tollitäten, Präsidenten, Narren und Närrinnen, viel Duisburger Volk, junge und alte, Frauen, Männer und Jünglinge. Es war ein Bild, das man in Duisburg noch nicht gesehen hatte. - Da das Essen aus den Kreisen der Prinzengarde gestiftet wurde, konnte die Einnahme restlos an das „Winterhilfswerk” abgeführt werden. Die Prinzengarde hatte mitgeholfen, im heiteren Gewand eine damals ernste große Aufgabe zu erfüllen.

An durch die Prinzengarde erfolgte Weihnachtsbescherungen der Bunker- und Flüchtlingskinder sowie an die alljährlich stattfindenden Feste der „Kinder-Prinzenkürung”, wobei stets viele Waisenkinder bewirtet werden, sei der Chronik wegen erinnert.

Mit dem Jahre 1939 war eine Glanzperiode für längere Zeit in der Prinzengarde zum Abschluß gelangt. Niemand konnte damals vorausahnen, daß die Stimmen der Kanonen die der Vernunft übertönen würden. Es begann ein Niederreißen und eine Zerstörung aller menschlichen Begriffe, deren Ende nicht abzusehen war. Niemand glaubte mehr daran, daß er noch einmal die Lebensfreude und die glückerfüllten Stunden des vaterstädtischen Festes, wie es der Karneval ist, erleben könnte. Die in der Heimat verbliebenen Freunde der Prinzen-Garde nahmen jede Gelegenheit wahr, die Verbindung zu den im Felde stehenden Kameraden aufrechtzuerhalten, wobei Feldpostbriefe, Päckchen und eine von Fred Bernards gepflegte Frontzeitung ihren guten Anteil hatten. Verschiedene Auszüge aus Feldpostbriefen sollen hier wiedergeben, welchen Anklang diese „Truppenbetreuung” gefunden hatte; aber nicht nur das, aus den Zeilen ist zu entnehmen, daß die Prinzen-Gardisten auch bei der Erfüllung ihrer Pflichten dem Vaterlande gegenüber den Humor nicht verloren hatten.

„ ........Wieder kam ein Päckchen und noch ein Päckchen von der Prinzen-Garde und machte mir sehr viel Freude. Wie sehr freute ich mich, als ich durch Eueren komischen Brief endlich nach langer Zeit mal wieder aus des Dienstes ewig gleichgestellter Uhr herausgerissen wurde und mal wieder von Herzen lachen konnte. Laßt bald wieder was von Euch hören und laßt die Frontzeitung nicht eingehen.”
(Lutz Buschbaum, 1942)

„ ....ich habe mich für Euer Weihnachtspaket recht herzlich zu bedanken. Man sieht, die alte Garde vergißt uns nicht, und ihr könnt Euch ja wohl denken, wie man sich freut, wenn man etwas von den alten Haudegen hört, mit denen man so manche schwere Schlacht geschlagen hat.”
(Arno Eckardt, 1941)

„ ....Ihr glaubt gar nicht, was es für uns hier an der Front bedeutet, wenn so ein lieber Gruß aus der Heimat eintrifft, und es tauchen direkt Erinnerungen auf an manche schöne Stunde, die man zusammen verlebt hat.”
(Walter Gehrmann, 1941)

„ ...und habe ich das Päckchen heute wohlbehalten empfangen und den Inhalt einer genauen militärischen Untersuchung unterzogen. Nachdem festgestellt wurde, daß die Sendung in allen Einzelheiten unverdächtig und den Dienstvorschriften nicht zuwiderlaufend war, konnte sofort mit der Vernichtungsaktion begonnen werden. Diese wurde mit der der deutschen Wehrmacht eigenen unwiderstehlichen Durchschlagskraft erfolgreich durchgeführt. Lediglich der Fleischbrühwürfel trotzt zur Zeit noch der Annektierung, da das hierzu erforderliche Kampfmittel, kochendes Wasser, noch nicht auf dem Nachschubwege herangeschafft werden konnte. Jedoch steht nach Ansicht militärischer Sachverständiger zu erwarten, daß auch dieser sinnlose Widerstand in Kürze gebrochen wird und damit dem Endsieg nichts mehr im Wege steht. So weit der Bericht des Unterkommandos der Wehrmacht."
(Willy Gresch, 1940)

„ .... Der Obenaufgeführte bestätigt die auf beiliegender Empfangsbescheinigung aufgeführten Gegenstände von der Prinzen-Garde dankend und in ordnungsgemäßem Zustand übernommen zu haben. Die beigefügten Rauchmaterialien (Zigarren) wiesen leichte Beschädigungen an den bogenförmig gekrümmten Umhüllungsdeckblättern auf. Die Reparatur konnte jedoch in den hiesigen Heereswerkstätten durchgeführt werden. - Gleichzeitig gebe ich davon Kenntnis, daß ich gemäß Verfügung OKH Gen. d.P.G. Dbg. / Gen. Qu v. 11.11.40, Par. 175 Lfd. Nr. ALAAF I/4711 unter Aufhebung der Verfügung für das kaiserliche Heer Nr. HELAU I/23760 für den Weihnachtsurlaub in den Kriegsjahren 1870/71, Gelegenheit habe, die diesjährigen Weihnachten zu Hause zu verbringen.”
(H.-R. Reichel, 1940)

Ein Brief des im Felde stehenden Prinzen-Gardisten Otto Hecker, scherzhaft „verkommener Stehgeiger” genannt, trug nachstehende Anschrift und wurde von der Post prompt und richtig zugestellt:
„An den Herrn Großmogul der Duisburger Prinzengarde, Gottfried Bernards, Inhaber des Großen karnevalistischen Verdienstkreuzes mit Hopfenlaub und Sektflaschen und anderer hoher karnevalistischer Auszeichnungen, Groß-Rheinhausen, Straße gen Atrop im nahen Westen.”

Nach Kriegsende kamen erst einmal ein paar Jahre der Ungewißheit und der bleibenden Entbehrungen. Langsam überkam uns wieder das befreiende Gefühl der Lebenssicherheit, und mit diesem Lebenswille und Lebenslust. Tatenfroh ging es an den Aufbau unserer Wohnungen, unserer Existenzen, unserer Vaterstadt Duisburg. Unter Beachtung einer zeitbedingten Beschränkung und Zurückhaltung schickten sich einige Karnevalsgesellschaften in den Jahren 1946 und 1947 bereits an, den Duisburger Karneval wieder aufleben zu lassen, wenn auch noch nicht mit der sonst gewohnten Pracht und beim Saft der Reben. Wie auf allen Gebieten des privaten und öffentlichen Lebens mußten sie sich bei den Karnevalsfesten bescheiden.

Im Mai 1948 entwickelte der Präsident der Großen Duisburger Karnevalsgesellschaft, Harry Waldmann, die Idee, alle Duisburger Karnevalsgesellschaften zusammenzuschließen. In einer Sitzung, die im „Prinzregent” stattfand, wurde der „Hauptausschuß für den Duisburger Karneval” gebildet, dem die Präsidenten und Geschäftsführer der Karnevalsgesellschaften angehörten. Zum Vorsitzenden wurde Harry Waldmann gewählt, sein Vertreter wurde der damalige Präsident der Karnevalsgesellschaft „Blau-Weiß”, Jupp Wolf, während der seinerzeitige städtische Verkehrsdirektor Werner Brendow die Geschäftsführung übernahm.

Als der Karneval wieder zu neuem Leben erweckt und in gutbürgerliche Geleise geleitet war, gab auch die wiedererstandene Prinzengarde den allgemeinen Startschuß ab. Mit einem FEDEFE = Fest der Feste wurde am 7. November 1948 im Hotel „Duisburger Hof” der Karnevalsreigen eröffnet. In der feenhaften Dekoration und Ausstattung des Duisburger Presseballes „1000 Sterne über Duisburg” wurde wieder gemeinsam das Narrenschiff bestiegen.

Bei einem Kantinenabend am 11. November 1948 in der „Schützenburg” wurde noch einmal ein Film vom Rosenmontagszug 1939 vorgeführt.

Zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung hatte dann die Prinzengarde am 4. Januar 1949 eingeladen, weil der bisherige Präsident, Paul Bergs, seinen Posten wegen Wegzug von Duisburg zur Verfügung gestellt hatte.
Zum neuen Präsidenten wurde Hermann Kremer einstimmig gewählt. Kommandeur blieb, wie bisher, Clemens Alt, während Paul Bergs als Mitgründer der Prinzengarde zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.


Hermann Kremer, Ehrenpräsident der Prinzen-Garde, Exprinz Hermann I.

Der Festkalender der Session 1949 wies noch folgende Veranstaltungen auf:

26. Februar Hausball in der „Schützenburg”
28. Februar Rosenmontagsball im Hotel „Duisburger-Hof”
01. März Gesindeball im Hotel „Duisburger Hof”
02. März Fischessen in der „Schützenburg”

Da man die Zeit noch nicht für gekommen betrachtete, einen Rosenmontagszug auf die Räder zu stellen, wurde am Rosenmontag unter dem Motto „Wi häwwe de Kar am rolle” eine Kappenfahrt durchgeführt. An dieser Fahrt beteiligte sich die Prinzengarde mit Spielmannszug, zwei Kapellen, drei Wagen, Reiterkorps und eine Gruppe Prinzen-Garde zu Fuß. Natürlich war diese Kappenfahrt mit einem Rosenmontagszug der Vorkriegsjahre an Größe, Ausstattung und Humor nicht zu vergleichen, die Mittel für einen richtigen Rosenmontagszug reichten noch nicht, aber das Volk auf der Straße stellte doch mit Freude und Befriedigung fest, daß „die Kar weer rollt”! Und das war damals Hauptsache!

In der Mitgliederversammlung am 21. März 1949 stellte man fest, daß noch ein Kassenbestand von DM 7,59 vorhanden war. Auf Vorschlag von Paul Bergs wählte man einen neuen Vorstand:

        Präsident: Hermann Kremer
        Kommandeur: Karl Emmerich
        Chef des Stabes: Hans-Rudolf Reichel
        Quartiermeister: Karl Kiefer
        Zeugmeister: Fredy Schnürle
        Beisitzer: Paul Bergs, Clemens Alt
und Walter Brors

Um vor allem die Kammerbestände, die durch den Krieg vernichtet wurden, wieder aufzufüllen, wurde im Oktober 1949 eine große Aktion an alle Mitglieder und Freunde gestartet. Aktives und Reserve-Korps wurden mobil gemacht. Eine Spende von 10 Uniformen vom Ehrensenator der Prinzengarde, Helmut Horten, lag bereits vor.

Die Session 1949/50 wurde von der Prinzengarde und der „Großen Duisburger” gemeinsam mit einer Prunksitzung in allen Räumen des Hotels „Duisburger Hof” am 12. November 1949 eröffnet. Bei der großen Gemeinschafts-Prunksitzung am 28. Januar 1950 mit der „Prinzen-Garde der Stadt Düsseldorf Weiß-Rot” in den Hauptbahnhofsgaststätten Mindermann stellte sich das Offizierskorps und erstmalig die eigene Kapelle der Prinzengarde in neuen Uniformen vor. Den Höhepunkt bildete zweifellos die Mitwirkung der bekannten Film-. und Bühnenkünstlerin Leny Marenbach, die unter der Devise „Wenn wir alle Engel wären” auftrat.
Der Rosenmontagszug 1950 war dann wieder der prunkvollste Zug nach dem Kriege. Es gab nur ein Urteil: das hat Duisburg noch nicht erlebt! Noch am Aschermittwoch vertrat der Präsident Hermann Kremer die Idee, man müsse ein „Amazonenkorps” ins Leben rufen. Dieses Korps sollte vor allem die Frauen der meist vielbeschäftigten Prinzen-Garde-Offiziere umfassen. Am 6. September 1950 fand sich auf Einladung eines Vorbereitungsausschusses in der „Schützenburg” eine Anzahl Damen zusammen und gründeten das „Amazonenkorps” der Prinzengarde. Schon bei der Wahl des Vorstandes bewiesen die Damen, daß es Ihnen mit schneller und zielstrebiger Arbeit Ernst war. In geheimer Abstimmung erwählten sich die Duisburger Amazonen mit überwiegender Mehrheit folgenden Vorstand:

        Kommandeuse: Gerda Kremer
        Stellv. Kommandeuse: Anny Finck-Camphausen
        Schriftführerin: Ellen Ring
        Zeremonienmeisterin: Otty Nienkämper

Das Problem der Kostümierung der Amazonen war schnell gelöst: man einigte sich auf einen weißen Faltenrock und eine rote Litewka, die in Form und Schnitt der Uniform der Offiziere angeglichen war. Im Rosenmontagszug 1953 zeigten die Amazonen sich als Insassen einer Mondrakete, 1954 präsentierten sie sich mit Lilli Marlen „Unter der Laterne”. Dann aber faßten die Amazonen den Entschluß, die prunkvollen Gipsrösser mit richtigen Pferden zu vertauschen. Im Sommer ging es jede Woche hinaus nach Hamborn, um das Reiten zu erlernen. Zwar mußten manche auch mal „unfreiwillig absitzen”, aber beim nächsten Rosenmontagszug saßen alle Damen fest im Sattel und gehören seitdem bei jedem Rosenmontagszug zur Reitergruppe der Prinzen-Garde.
Im Jahre 1954 übernahm die bekannte und beliebte Opernsängerin Frau Anny Finck-Camphausen, ein ehemaliges Mitglied der Duisburger Oper, die Leitung des Amazonenkorps. Schon seit Jahren hatte sie das Programm der Sitzungen der Prinzengarde durch ihre hervorragenden Gesangsdarbietungen bereichert. Nun aber steuerte sie als Kommandeuse das Narrenschiff durch die „Weiberfastnachts-Sitzungen” im Hotel „Duisburger-Hof”. Jedes Jahr waren die Duisburger Damen wieder neu begeistert, ein regelrechtes Stammpublikum bildete sich für die Damensitzungen.



Amazonen-Korps 1954

Auch hier übernahm der Ehrensenator der Gesellschaft, Herr Helmut Horten (links), die Kosten der Anschaffung. Das Amazonenkorps behielt in allen Entschlüssen freie Hand, es war jedoch ein Teil der Prinzengarde. Die Kommandeuse war mit Sitz und Stimme im Vorstand vertreten. Als männlichen Berater und Betreuer ernannten die Amazonen den Mitgründer der Prinzengarde, Fred Bernards, zu ihrem Ehrenkommandeur. Im ersten Jahre ihres Bestehens nahmen die Amazonen erstmalig in ihren neuen Uniformen an der „Prunksitzung zum Elften im Elften” im Hotel „Prinzenregent” teil.

Aber bald genügte es den sehr karnevalsinteressierten Damen nicht mehr, nur „dabei-zu-sein”; sie wollten ihren eigenen aktiven Beitrag zum Karneval leisten. Noch in dieser Session veranstalteten die Amazonen zwei eigene Veranstaltungen: am 1. Februar die „Damensitzung zur Weiberfastnacht” im Hotel „Prinzenregent” und den „Dienstagsball” am 06. Februar 1951 im „Duisburger Hof”. Die Damensitzungen wurden von den Duisburger Damen begeistert aufgenommen und gehören heute zu den beliebtesten Veranstaltungen des Duisburger Karnevals.

Auch im Rosenmontagszug eroberte sich das Amazonenkorps einen festen Platz. Angeführt von ihrem Ehrenkommandeur und zwei Amazonen zu Pferde folgte der Römerwagen mit der Kommandeuse, dem sich dann einer der schönsten Wagen des Zuges anschloß: die Amazonen in ihren schmucken Kostümen auf den prunkvoll geschmückten weißen Karussellpferdchen.


Amazonen-Korps 1957

Das änderte sich auch nicht, als im Jahre 1957 Frau Otty Nienkämper das Steuer des Amazonenkorps in die Hand nahm. Mit ihrem urwüchsigen Humor und ihrem angeborenen Mutterwitz brachte auch sie die Stimmungswogen zum Überschlagen. Ganz besonders aber dann, wenn sie und ein weiteres Mitglied des Korps, Frau Lena Emmerich, selbst kostümiert in die „Bütt” stiegen. Otty Nienkämper ist eine waschechte Karnevalistin, man könnte sie sich aus dem Amazonenkorps kaum hinwegdenken. Auch für die Nachwuchs-Amazonen, die in diesem Jubiläumsjahre zum erstenmal hinter dem „Elferratstisch” sitzen werden, ist sie die „Mutter der Kompanie”, immer wieder begeistert sie die Amazonen für ihre Aufgaben. Das Amazonenkorps, das weibliche Attribut der Prinzengarde, ist ein fester Bestandteil des Duisburger Karnevals geworden.


Amazonen-Korps 1962

Im Oktober 1950 wurde erstmalig einem langersehnten Wunsch der Mitglieder Rechnung getragen, durch die Herausgabe eines Mitteilungsblattes eine weitaus festere Bindung zu allen Mitgliedern, Freunden und Gönnern zu schaffen. Die „Prinzen-Garde-Nachrichten” unterrichten vorwiegend über alle interessierenden Vorgänge in der Prinzengarde und im Duisburger Karneval. Seit dieser Zeit ist es bis heute das Hausblatt der großen Gemeinde unserer Mitglieder und Freunde geworden.

In der Session 1950/51 fanden mit drei Sitzungen, vier Ballveranstaltungen, einem Kinderkarneval und der Prinzen-Parade die traditionellen Veranstaltungen statt. Anläßlich der Prinzenkürung im Stadttheater erhielt das neugeschaffene Tanzkorps seine „Feuertaufe”. Der langanhaltende und ehrliche Beifall der Gäste im ausverkauften Hause bewies, daß das Tanzkorps unzweifelhaft eine Bereicherung der Prinzengarde darstellte.


Tanz- und Soldaten-Korps mit Tanz-Offizier und Regimentstochter

Ebenfalls zum ersten Male stellte die Prinzengarde 1951 den Karnevalsprinzen in Duisburg. Max I., mit bürgerlichem Namen Max Bess, war ein närrischer Herrscher, der bereits bei seiner Inthronisation durch seine Schlagfertigkeit alle in Erstaunen und Begeisterung versetzte. Durch seine besonders liebenswürdige Art wurde er bald der allgemein verehrte „Volksprinz”. Mit ihm begann die Ära der Prinzen in der Prinzengarde. Ihm folgten:

         1952 Jupp I. (Josef Hecker)
         1954 Hermann I. (Hermann Kremer)
         1955 Hans II. (Hans Droste)
         1956 Charly I. (Charly Finck)
         1959 Herbert I. und Prinzessin Montana
(Herbert Swierzy und Frau)

Sie alle waren gleichzeitig die Repräsentanten der Prinzengarde. Es sei auch nicht zu vergessen, daß die Prinzengarde oftmals den Hofmarschall für den Prinzen stellte. Wenn in diesem Jubiläumsjahr 1962 Prinz Arno I. die Regentschaft über das närrische Volk übernommen hat, dann kann die Prinzengarde stolz sein. Mit ihrem derzeitigen Kommandeur, Arno Eckardt, stellte sie nach Paul Bergs sechs Prinzen innerhalb ihres Bestehens. Hans-Joachim Lemke, Rittmeister und Reiterkorpsführer der Prinzengarde, ist sein Hofmarschall.

In der Jahresversammlung 1951 wurde Paul Baumeister, der vorher schon viele Jahre Geschäftsführer im Duisburger Karneval gewesen war, als Korpsintendant in den Generalstab und Frau Lena Emmerich als Zeugmeisterin in den Vorstand des Amazonenkorps gewählt.

Ein bedeutender Höhepunkt in der Geschichte der Prinzengarde war am 11.11.1951 die glanzvolle Bannerweihe und Fahnenweihe vor dem Stadttheater. Tausende Menschen waren zugegen, als das Korps aus den Händen des Prinzen Max I. die Reiterstandarte der Prinzen-Garde entgegennehmen konnte.



Gleichzeitig übergab der Präsident des Hauptausschusses, Harry Waldmann, dem Stabsmusikzug der Prinzengarde einen prachtvollen Schellenbaum.




Fand bislang noch niemand den Mut, wie in anderen rheinischen Städten auch in Duisburg eine Rosenmontagszeitung herauszugeben, so bewies die Prinzengarde, daß sie vor diesem großen Wagnis nicht zurückschreckte. Als „Erste Duisburger Rosenmontagszeitung 1952” wurde die achtseitige Zeitung in Tageszeitungsformat in einer Auflage von 30.000 Exemplaren herausgegeben.

Die Saalknappheit in Duisburg brachte die Prinzengarde auf die Idee, einmal eine Prunksitzung in einem Lichtspielhaus vor in Stuhlreihen sitzenden Gästen abzuwickeln. Am 7., 14. und 21. Februar 1952 veranstalteten wir je eine Prunksitzung in der „Rhein-Ruhr-Halle”. Es dürfte wohl einmalig sein, daß ein Korps dreimal hintereinander eine Gala-Prunksitzung ausverkauft hat, und zwar jedesmal vor 1200 Besuchern in Stuhlreihen. An einem Donnerstagabend dreimal ausverkaufte Häuser zu haben, das beweist, das diese Veranstaltungen etwas geboten haben, was dem breiten Publikumsgeschmack entsprach.


Reiter-Korps im Rosenmontagszug

Es ist natürlich nicht Aufgabe einer Vereinsgeschichte, die 25 Jahre umspannt, jede Veranstaltung in ihren Einzelheiten aufzuführen. Sie soll vielmehr ein Längsschnitt sein mit kurzen Rastpunkten an prägnanten Meilensteinen der Entwicklung des Prinzen-Garde-Korps.

Bei allen Rosenmontagszügen nahmen die Gruppen der Prinzengarde als „Zug im Zuge” ihren traditionellen Platz vor dem Wagen des Prinzen ein und konnten auf der ganzen Zugstrecke stets den zustimmenden Jubel Hunderttausender quittieren. Das ist ja das Schöne bei den Prinzen-Garde-Korps im Rosenmontagszug, daß sich in ihren Uniformen, in der Zusammensetzung der Gruppe selbst und auch hinsichtlich ihres Korpsgeistes in allen Jahren so gut wie nichts ändert. Wer aber erst einmal hinter die Kulissen geschaut hat, wo all die Vorbereitungen getroffen werden, um ein Korps im Rosenmontagszug so glanzvoll herauszubringen, der vermag erst zu beurteilen, wieviel Arbeitskraft und Idealismus von jedem einzelnen Prinzen-Gardisten aufgebracht werden muß.

Besonderen Wert hat die Prinzen-Garde auch stets auf eine repräsentative Musikkapelle gelegt. Im Jahre 1950 erhielt das seit 1929 bestehende „Duisburger Blasorchester” die Uniformen der Prinzengarde und wurde damit das „Stabsmusikkorps”.


Seit Bestehen des Orchesters gehört Stabsmusikmeister
Hans Clasen diesem Korps als Kapellmeister an.


Der Spielmannszug der Prinzengarde
wird vom Tambourkorps „Rheinklänge”,
Duisburg-Buchholz, verkörpert.



Seit dem Jahre 1961 ist auch
erstmalig der Prinzengarde
ein Fanfarenzug angeschlossen.



Alle diese Korps: Stabsmusikkorps, Spielmannszug und Fanfarenzug, haben an vielen Wettbewerben teilgenommen und sind oftmals mit Siegerpreisen belegt worden.

Wenn sich die Prinzengarde der Stadt Duisburg während der Karnevalssession durch Veranstaltungen, Karnevalssitzungen und Bälle gesellschaftlich nach außen hin Geltung verschafft und den inneren Zusammenhalt durch eine Intensivierung des Korpslebens verstärkt, so sorgen im Laufe des Jahres Stammtisch- und Kantinenabende, Dampferfahrten, Ausflüge und kleinere interne Veranstaltungen für den freundschaftlichen und engeren Zusammenschluß der Mitglieder. Einen besonderen Platz nehmen dabei die Herrentouren ein; eine Schilderung dieser Touren würde einen Band füllen. Hierbei soll stets ganz besonders die Kameradschaft gepflegt werden, und alte und junge Prinzen-Gardisten sollen frohe und gesellige Stunden verleben.

Der Prinzengarde war es auch vorbehalten, die Feier des „Hoppeditz-Erwachen” in Duisburg erstmalig durchzuführen. Am 11. im 11. 1954 eröffnete Prinz Hermann I. mit seiner Garde in aller Öffentlichkeit auf dem Brückenplatz die Session 1954/55. Viele tausend Menschen waren herbeigeeilt, um Zeuge dieses närrischen Schauspiels zu sein, wobei u.a. 1000 bunte Luftballons aus Kinderhand zum Wettbewerb auf die Luftreise geschickt wurden.

Einen besonderen Platz in der Geschichte der Prinzengarde werden die verschiedenen Exkursionen mit dem Flugzeug nach Nürnberg einnehmen. Am 28. Januar 1955 begann die Prinzengarde erstmalig die letzte Runde der närrischen Zeit unter der Führung des Ehrensenators und General des Korps á la suite, Helmut Horten, mit einer schwungvollen Invasion auf die Faschingsfeste Nürnberg. Es würde über den Rahmen dieser Geschichte weit hinausgehen, wollte man alle diese ausgefallenen Dinge, die die Prinzen-Gardisten in dem närrischen „Narrenberg” erlebten, aufzählen. Von der „Prunksitzung in der Luft” bis zum „Merkuriositäten-Kostüm- und Maskenfest”, das die Geschäftsleitung des Kaufhauskonzerns „Merkur” veranstaltete, war alles ein großes Erlebnis. Daß der Kameramann von „Welt im Bild” die Erinnerungen an diesem ersten närrischen Flug im Bilde festhielt, war ebenso beachtlich wie die Feststellung, daß man in Nürnberg nichts von „Bayern” contra „Preiß” merkte, sondern alle ein närrisches Herz und eine Seele waren.


Bilder vom alljährlichen Flug der Prinzengarde nach Nürnberg

Diese „Nürnberg-Flüge” nahmen in den folgenden Jahren einen immer größeren Umfang an: waren es im Jahre 1955 nur zehn Prinzen-Gardisten, so nahmen 1956 bereits 30 Gardisten daran teil. Der Dank gilt ganz besonders unserem Ehrensenator Helmut Horten, der die Möglichkeit zu diesen Erlebnissen schuf. Volle Anerkennung verdient an dieser Stelle auch die so seltene Gastfreundschaft des heute im Ruhestand lebenden Herrn Direktor Ewald Schäfer der „Merkur-Horten”, den wir in Nürnberg zum „Ehren-Rittmeister der Prinzen-Garde” ernennen konnten.

Eine Kampagne mit einer Fülle von Arbeit und reich an Erfolgen konnte die Prinzengarde im Jahre 1956 verbuchen. Es bildete zugleich das Omen und das Fanal für das kommende Jahr.

Der Festsaal des Hotels „Duisburger Hof” war der Schauplatz, als die Prinzengarde am 20. Januar 1957 mit einem „Herren-Appell” ihren 20. Geburtstag feierte. Die Zahl der Gäste bei dieser Geburtstagsfeier war kaum zu übersehen. Was in Duisburg irgendwie Rang und Namen hatte, war dabei. Auch das Heer der Karnevalsgesellschaften war angetreten. Neben allen Duisburger Gesellschaften waren auch die närrischen Vertreter aus Düsseldorf, Essen, Wuppertal, Rheydt, Oberhausen, Osterfeld und Krefeld erschienen. Selbst aus Nürnberg kam die Karnevalsgesellschaft „Nürnberger Trichter”, und die Karnevalsgesellschaft „On Ganse„ aus Arnheim in den Niederlanden gratulierte ebenfalls zum Geburtstag. Oberbürgermeister Seeling bescheinigte in einer netten, humorvollen Weise der Prinzengarde, daß sie dem Duisburger Karneval Glanz, Farbe, Charme und viele Prinzen beschert hat. Die weiteren Veranstaltungen des Jahres reihten sich dann würdig und stimmungsvoll in den vorgesehenen Rahmen ein.


Generalstab und Offizier-Korps im Jahre des 20jährigen Bestehens 1957

Das 20jährige Bestehen brachte die Verpflichtung mit sich, im Rosenmontagszug 1957 eine ganz besondere Leistung zu vollbringen. Alleine 220 Teilnehmer bei der Prinzengarde, dazu alle kostümiert oder uniformiert, angefangen vom Traktorfahrer bis zum Marschall der Prinzengarde. Besonders aber herauszuheben ist die Dinkelsbühler Knabenkapelle, bestehend aus 58 Kindern im Alter von 7 bis 15 Jahren, die während des ganzen Rosenmontagszuges mit Beifall überschüttet wurden. Die Prinzengarde stellte in diesem Jahre unübersehbar den „Zug im Zuge”.

Nachdem im Jahre 1958 der Vorsitzende und Kommandeur der Prinzengarde, H.R. Reichel, seine Posten aus beruflichen Gründen zur Verfügung gestellt hatte, wurde der Vorsitz in die Hände des Tierparkdirektors, Herrn Dr. Hans-Georg Thienemann, gelegt. Bei der Übernahme seines Amtes meinte er launig, daß es wohl einmalig sei, daß ein Mann, der Löwen, Tiger usw. in Pflege hat, einen Ehrenposten im Karneval übernimmt. Aber dennoch sei es vielleicht gar nicht so abwegig, daß er, der sein Leben den Tieren und der Natur verschrieben hat, um anderen Menschen damit für kurze Zeit des Tages auf andere Gedanken kommen zu lassen, auch im rheinischen Karneval tätig werden solle, denn Stunden der Fröhlichkeit und Heiterkeit mit urwüchsigem Humor seien immer die glücklichsten und angenehmsten Augenblicke seines Lebens gewesen.
Am Tage des 25jährigen Bestehens dürfen wir unserem „Doktor” Dank sagen für seine bisher unermüdlich und tatkräftig geleistete Mitarbeit zum Wohle der Prinzengarde und des heimatstädtischen Karnevals.

In der Jahresversammlung am 15. Oktober 1958 übernahm das langjährige Mitglied der Prinzengarde, Verpflegungsoffizier Willi Schenkel, den verwaisten Posten des Kommandeurs. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, in dieser Eigenschaft in Erscheinung zu treten. Der plötzliche Tod riß ihn, ein aufrichtiger und charaktervoller Kamerad, der durch sein frohes und stets aufgeschlossenes Wesen viele Freunde hatte, aus unseren Reihen.




Viele bedeutende rheinische Karnevalsgesellschaften hatten seit vielen Jahren mit der Duisburger Prinzengarde Kontakt, um bei jeder sich bietenden Gelegenheit die gute gegenseitige Freundschaft wieder zu erneuern. Mit der Düsseldorfer und der Krefelder Prinzen-Garde verbindet uns eine jahrelange Freundschaft, während die Verbindung nach Köln zur Prinzen-Garde von Thomas Liessem in diesem Jahre erst belebt wurde. Prinzen-Garde Rheydt, Essener Karnevalsverein, „Nürnberger Trichter”, „On Ganse” in Arnheim (Holland) und „Oeteldonkse Club” in Den Bosche (Holland) sind nur einige Namen von Gesellschaften, mit denen die Kontaktpflege betrieben wird. Ein besonderes freundschaftliches Verhältnis wurde mit der Aachener Stadtgarde „Öcher Penn” hergestellt, das zu gegenseitigen Besuchen führte. Bei einem solchen Besuch anläßlich eines „Kantinenabends” im „Alt-Linzenshäuschen” konnten wir den Teilnehmern unser „Duisburger-Prinzen-Garde-Frühstück” überreichen, das aus einer Mettwurst, einem Brötchen und einer Flasche „König-Pilsener” besteht.




In den Jahren von 1948 - 1962 wächst die Gesellschaft auf nahezu 300 Mitglieder an. Am Rosenmontagszug 1962, im Jahre des silbernen Jubiläums, wird die Prinzengarde mit einer besonders hervorragenden Gruppe teilnehmen. Die Länge des Zuges der Prinzengarde wird wieder eine beträchtliche Strecke des gesamten Rosenmontagszuges einnehmen:

Der Spielmannszug
Das Musikkorps zu Fuß
Fahnen- und Tanzpaar
Das Soldatenkorps
Die Prinzen-Garde-Feldpost
Feldküche und Marketenderwagen
Die Dinkelsbühler Knabenkapelle
Die Kinder-Fahnengruppe
Das Kinder-Reiterkorps
Der Kinder-Prinzenwagen
Die Prinzen-Artillerie
Der Pulverwagen
Der Fanfarenzug zu Fuß
Das Musikkorps zu Fuß
Der Jubiläums-Prunkwagen
Das berittene Trompeterkorps
Die berittene Standartengruppe
Der Korpsstab, das Reiterkorps
das Amazonenkorps, zu Pferde
Offiziere zu Fuß und Hilfspersonal ca.

Insgesamt:


20 Mann
25 Mann
04 Mann
26 Mann
03 Mann
04 Mann
52 Mann
12 Mann
12 Mann
08 Mann
04 Mann
02 Mann
09 Mann
16 Mann
04 Mann
15 Mann
03 Mann

20 Mann
20 Mann

259 Mann



Außerdem werden 63 Pferde in dieser Korpsgruppe vertreten sein. Die Geschichte der nun 25 Jahre alten Prinzengarde ist lebendig an unserem geistigen Auge vorübergezogen.

Es ist eine Dankespflicht, einmal alle die Männer zu nennen die mit dazu beigetragen haben, die Absichten der Gründer stets in die Tat umzusetzen und das Banner der Prinzengarde siegreich durch alle Krisen hochzuhalten.




Generalstab und Offizierkorps im Jubiläumsjahr

Nur die Aktivität, wahre Freundschaft, echte Kameradschaft und Treue der Korpsangehörigen gibt dem Gesellschaftsleben Schwung, Ausdruck und Gestalt. Prinzengardisten wollen fröhlich feiern und weiten Bevölkerungskreisen Humor und Freude spenden. Sie sind keine Militaristen, sondern wahre Demokraten, denn sie zeigen der Welt ein lachendes Gesicht und üben humorvolle Kritik da, wo sie angebracht erscheint.



Der Vorstand im Jubiläumsjahr
sitzend von links: Reichel, Dr. Thienemann, Emmerich, Kremer, Hack;
stehend von links: Steffen, Eckardt, Werner, Finke, Baumeister, Mayer, Lemke, Dohmen


Eine Auflistung aller Kommandeure und Präsidenten der Gesellschaft
finden Sie unter: Aktuelles/Archiv


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